Geschichte der Aare Seeland mobil AG
Die Aare Seeland mobil (asm) befördert jährlich weit über fünf Millionen Passagiere. An einem durchschnittlichen Werktag sind das 15’000 Personen. Das Bahnnetz weist eine Länge von 57 Kilometern und 52 Haltestellen aus, das Busnetz misst 135 Kilometer mit 130 Haltestellen. Aare Seland mobil ist in einem Einzugsgebiet tätig, das 61 Gemeinden mit 180’000 Einwohnern in den beiden Regionen Oberaargau/Solothurn und dem Seeland umfasst. Entsprechend zweiteilig ist die Geschichte der Aare Seeland mobil: Sie besteht einerseits aus einem Ast, der die Region Oberaargau/Solothurn enthält, anderseits aus einem , der die Region Seeland umfasst.Seeland / Der «Moosrugger»: Von Biel über Täuffelen nach Ins
Eigentlich hätte 1916 die Strecke Nidau - Ins eingeweiht werden sollen. Doch der Erste Weltkrieg kam dazwischen. Der Dampfer aus Amerika, der das rare Kupfer für die Fahrleitung an Bord hatte, wurde von einer Bombe versenkt. So reichte die erste Etappe nur von Nidau nach Siselen. Im Frühjahr 1917 wurde dann aber auch die Strecke Siselen-Ins in Betrieb genommen.
In Nidau war die Situation von Beginn weg unbefriedigend. Die Seeländischen Lokalbahnen (SLB) Biel-Täuffelen-Ins AG mussten z.B. für die Benützung der Kanalbrücke Gebühren bezahlen – an die Trambahn Biel. 1926 wurde das Teilstück Nidau-Biel eröffnet, nachdem drei Jahre zuvor der neue Bahnhof in Biel eröffnet worden war.
1944 änderte das Unternehmen seinen Namen und hiess fortan Biel-Täuffelen-Ins-Bahn (BTI). In den Vierzigerjahren boomte der Güterverkehr. Auf Rollschemeln führte man Tag und Nacht normalspurige Güterwagen, die in Biel und Ins auf SBB- beziehungsweise BN-Gleisen weiterbefördert wurden.
Während des Zweiten Weltkriegs verarbeitete man im grossen Moos Torf zu Brennmaterial. Die getrockneten Brickets wurden über provisorische Rampen im Brüttelenmoos auf freier Strecke direkt in Güterwagen verladen.
Das Jahr 1961 war wegweisend für die Zukunft der Bahn, die im Volksmund liebevoll «Moosrugger» genannt wird. Als im September ein Busversuchsbetrieb startete, reagierte die Bevölkerung negativ. Der Bus war dem Passagieraufkommen nicht gewachsen, der Bahnbetrieb war ökonomischer und effizienter.
Dank Bundessubventionen lief 1966 das so genannte Sofortprogramm an, womit auf den entsprechenden Streckenabschnitten endlich die Trennung von Strasse und Schiene begann. Darin enthalten war auch die neue Einfahrt in den Bahnhof Biel. Der schlechte Untergrund erzwang jedoch einen längeren Unterbruch der Bauarbeiten für die Tunnelstation. Der unterirdische Bahnhof wurde schliesslich am 30. Mai 1975 festlich eingeweiht. Die Züge verkehrten fortan im Takt.
1984 erfolgte die Gründung der Oberaargau-Solothurn-Seeland-Transport (OSST) mit der Direktion in Langenthal. Die Gruppe umfasste die vier Verkehrsträger Bahn, Bus, Schiff und Cargo und mutierte 1999 zur Aare Seeland mobil. 1997 schaffte die BTI sieben hochmoderne Niederflur-Gelenktriebwagen an, was zur Folge hatte, dass die Zahl der Passagiere sprunghaft anstieg. Der Vergleich der Drei-Jahres-Periode 1993-1995 mit der Periode 1998-2000 weist eine Frequenzzunahme von 32 % aus. Die Passagierfrequenzen der Jahre 2003/04 liegen um fast 50 % über jenen von 1993/94, die jährliche Zuwachsrate beträgt heute rund 4 % .
Diese Steigerung wurde mit einem seit rund zehn Jahren praktisch unveränderten Kursangebot erreicht: Die Betriebszeiten betragen seit längerem rund 18 Stunden im Tag und die Fahrzeit Biel-Ins beträgt rund 34 Minuten, also grundsätzlich nicht anders als vor 15 Jahren.
Für die Zukunft ist die schrittweise Einführung eines Viertelstundentaktes auf den Fahrplanwechsel 2007 (mit dem Fernziel eines durchgehenden Taktes) geplant, wozu weiteres Rollmaterial nötig ist. Die asm wird deshalb auch für diese Linie drei weitere Fahrzeugeinheiten anschaffen. Auf diesen Zeitpunkt hin ist in Ins zudem ein neues Angebotskonzept für den Anschluss von und nach Bern vorgesehen.
Eine weitere Ausbauvariante ist die Verlängerung der Bahnlinie BTI vom Bahnhof Biel bis ins Bözingenfeld. Eine entsprechende «Vertiefungsstudie» ist zum Schluss gekommen, dass eine solche Verlängerung sowohl machbar als auch (unter Einbezug wirksamer flankierender Massnahmen) zweckmässig wäre, allerdings kann dieses Projekt erst längerfristig realisiert werden.
Chronologie Seeland
| 1912 | Die Seeländische Lokalbahn (SLB) Biel-Täuffelen-Ins AG wird gegründet, mit Sitz in Nidau. |
| 1916 | Das Teilstück Nidau-Siselen wird eröffnet. |
| 1917 | Das Teilstück Siselen-Ins wird in Betrieb genommen. |
| 1918 | Fahrzeit Nidau-Ins: 60 Minuten. |
| 1926 | Das Teilstück Nidau-Biel wird eingeweiht. |
| 1944 | Das Unternehmen ändert seinen Namen und heisst fortan Biel-Täuffelen-Ins-Bahn (BTI). Der Sitz wird nach Täuffelen verlegt. |
| 1975 | Die unterirdische Zufahrt zum Bahnhof Biel wird eingeweiht. |
| 1984 | Gründung der Oberaargau-Solothurn-Seeland-Transport OSST, zusammen mit BSG, LTB, OAK, OBL, OJB, RVO, SNB. |
| 1997 | Sieben hochmoderne Niederflur-Gelenktriebwagen werden in Betrieb genommen. |
| 1999 | Aus der Betriebsgemeinschaft OSST geht die Aare Seeland mobil hervor. |
| 2002 | Fahrzeit Biel-Ins: 34 Minuten. |
Oberaargau / Mit der «Bipperlisi» von Langenthal nach Solothurn
1907 wurden die beiden Zentren Langenthal und Oensingen erstmals mit einer Schmalspurbahn verbunden: der Langenthal-Jura-Bahn (LJB). In den Jahren 1917 und 1918 nahmen in der Region zwei weitere Bahnen ihren Betrieb auf: die Langenthal-Melchnau-Bahn (LMB) und die Solothurn-Niederbipp-Bahn (SNB). Die drei Bahnunternehmen schlossen umgehend einen Betriebsvertrag ab. Der erste Fahrplan bot immerhin schon neun Verbindungen pro Tag zwischen Langenthal und Oensingen. Bis Mitte der Zwanzigerjahre endete die Strecke der SNB in Solothurn beim Baslertor. Dann wurde die Brücke über die Aare gebaut, was den Anschluss an den SBB-Bahnhof ermöglichte.
In den Dreissigerjahren gingen die Passagierzahlen zurück und dem Güterverkehr auf der Schiene machte der Strassentransport zunehmend Konkurrenz. Als jedoch 1940 die Treibstoffe knapp wurden, verlagerte sich der Gütertransport wieder zurück auf die Schiene. In dieser Zeit kamen regelmässig Diskussionen auf, die Bahn durch einen Bus zu ersetzen. Die Bahn konnte sich jedoch behaupten, nicht zuletzt dank der Fusion der drei Bahnen im Jahre 1959.
Die mit altem Rollmaterial verkehrende und im Volksmund «Bipperlisi» genannte Bahn der Linie Niederbipp- Solothurn bringt nicht nur Pendlerinnen und Pendler nach Solothurn, sondern führt dem Solothurner Gewerbe auch viele Kundinnen und Kunden aus dem Bipperamt zu.
In Aarwangen und im Raum Solothurn verläuft das Gleis auf der Strasse, was zur Folge hat, dass die Siedlungen zentral mit einer Bahn erschlossen sind. Diese ”Mischung” aus Regionalbahn und Tram innerhalb der Siedlungsräume stellt ein besonderes Erfolgsrezept für die Zukunft dar. Die Möglichkeit, umsteigefrei aus der Region ins Stadtzentrum von Solothurn zu gelangen, macht die Bahn für die Kunden besonders attraktiv.
In der sog. «Korridorstudie» aus dem Jahr 2002 plädieren Verkehrsexperten aus den Kantonen Bern und Solothurn für die langfristige Beibehaltung des asm-Bahnbetriebes , für die Anschaffung neuer Fahrzeuge und für die abschnittsweise Erhöhung der Reisegeschwindigkeit auf 80 km/h.
Diese Studie war und ist für die asm-Direktion eine wichtige Grundlage für die Planung des langfristig ausgerichteten Bahngeschäftes. Nach der zustimmenden Kenntnisnahme der Korridorstudie durch den Solothurner Kantonsrat im November 2002 hat sie beschlossen, die in der Studie genannten Massnahmen und Empfehlungen umzusetzen, das rund 40-jährige Rollmaterial schrittweise zu erneuern und der modernen Bahn auch ein modernes Aussehen zu verpassen.
Die asm hat deshalb im Herbst 2004 mit der Evaluation von neuem Rollmaterial begonnen und Mitte April 2005 die Beschaffung von vorerst drei Niederflur-Regionalbahn-Triebfahrzeugen öffentlich ausgeschrieben. Die neuen Fahrzeuge sollen nach den heute üblichen Standards gebaut ( maximale Geschwindigkeit von 80 km/h, Niederflurabteil mit behindertengerechter Ausrüstung, Klimaanlagen, zeitgemässes Design) und im Herbst 2007 in Betrieb genommen werden. Die übrigen heute verkehrenden Fahrzeuge sollen in einer späteren Phase ersetzt werden.
Chronologie Oberaargau - Solothurn
| 1907 | Die Langenthal-Jura-Bahn LJB nimmt den Verkehr auf. |
| 1917 | Betriebsaufnahme der Langenthal-Melchnau-Bahn LMB. |
| 1918 | Betriebsaufnahme der Solothurn-Niederbipp-Bahn SNB |
| 1925 | Bau der Rötibrücke in Solothurn, Ausdehnung des Betriebes bis Solothurn Hauptbahnhof. |
| 1943 | Das Teilstück Niederbipp-Oensingen wird stillgelegt. |
| 1958 | Fusion von LJB und LMB zur Oberaargau-Jura-Bahn OJB. |
| 1959 | Die SNB schliesst einen Zusammenarbeitsvertrag mit der OJB ab. |
| 1979 | Einführung des Taktfahrplans. |
| 1982 | Die Linie von Langenthal nach Melchnau wird verkürzt bis nach St. Urban. Busse stellen den Betrieb nach Melchnau sicher. |
| 1984 | Gründung der Oberaargau-Solothurn-Seeland-Transport OSST. |
| 1999 | Fusion der bisherigen OSST-Unternehmen SNB, OAK (Oberaargauische Automobilkurse), BTI (Biel-Täuffelen-Ins-Bahn) und RVO zur Aare Seeland mobil AG. |
