90 Jahre Busbetrieb - von der OAK zur Aare Seeland mobil AG
Was sind 90 Jahre? Für ein Menschenleben ein hohes Alter, geschichtlich gesehen kurze neun Jahrzehnte. Auf den hier beschriebenen Betrieb des öffentlichen Verkehrs bezogen, bedeuten sie ständige Bewegung, geprägt von Hochs und Tiefs in den ersten Jahrzehnten und von Kontinuität und Fortschritt in den letzten Jahren.
Doch auch Ideen und Pläne für eine Bahn waren vorhanden. Am 20. Dez. 1907 erteilte der Nationalrat die Konzession einer elektrischen Strassenbahn von Herzogenbuchsee über Wangen nach Wiedlisbach.
Das Bahnprojekt fand viele Befürworter, das frühe Automobilprojekt verschwand vorläufig in der Versenkung. 1911 wurde in Herzogenbuchsee eine Aktiengesellschaft für die „Herzogenbuchsee-Wangen-Jura-Bahn“ gegründet. In Wangen an der Aare richtete man unter der Leitung eines Ingenieurs aus Zürich ein Baubüro für die geplante Bahn ein. 1914 brach der erste Weltkrieg aus, die Vorarbeiten der Bahn wurden eingestellt, das Baubüro geschlossen.
Ein Jahr lang passierte nichts, dann entschloss sich die Bahngesellschaft, eine Automobilverbindung zu schaffen, „um unserer Gegend vorderhand wenigstens eine fühlbare Verkehrserleichterung zu bieten“. Der Bus hatte und hat den Vorteil, dass er nicht an Schienen gebunden ist und somit flexibler eingesetzt werden kann.
Dieser Berna-Bus mit 12 Sitzplätzen fuhr erstmals am 29. Februar 1916. Betreiber des Busses im Auftrag der Bahngesellschaft war der damalige Kronenwirt von Wangen, Fritz Berchtold. Wer nicht mitfahren konnte, wollte wenigstens vom Strassenrand aus am Ereignis teilhaben. Der Regierungsrat hatte die Höchstgeschwindigkeit auf 25 Stundenkilometer beschränkt, trotzdem war der Bus doppelt so schnell wie die Postkutsche. Die Pferdepost hatte für die Strecke Wangen-Herzogenbuchsee 65 Minuten benötigt, das Berna-Automobil schaffte es in 25 Minuten!
1925 bot das Unternehmen erstmals Ausflugsfahrten an. Der „Car alpin“ verfügte über 26 Sitzplätze mit offenem Verdeck. Eine Fahrt mit diesem Fahrzeug über die Schweizer
Alpenpässe galt bei der Bevölkerung lange Zeit als Attraktion.
1925 erfolgte auch die Umbenennung der Gesellschaft in „Oberaargauische Automobilkurse AG“.
In den 1960er Jahren gingen die Passagierzahlen zurück, der Individualverkehr boomte, viele Kunden stiegen auf ihr eigenes Auto um. Die OAK suchten den Ausgleich im Lastwagengeschäft. Als der Bauboom wieder abflaute, wurden die Sattelschlepper verkauft. Das konjunkturanfällige Transportgewerbe erwies sich nicht als das richtige „zweite Bein“ für einen öffentlichen Betrieb. Gravierende finanzielle Probleme machten eine umfassende Sanierung notwendig. Wie viele andere Verkehrsunternehmen waren auch die OAK auf Bundes- und Kantonshilfe angewiesen. In den 1970er Jahren musste nochmals eine finanziell schwierige Zeit überstanden werden. Die Krise gipfelte 1974 in der Entlassung des damaligen Geschäftsführers, dessen Expansionseifer die Grenzen eines öffentlichen
Betriebs auf dem Land sprengte.
Ein scharfer Sparkurs führte langsam wieder aufwärts. Der Betrieb gesundete und festigte sich, finanziell wie auch personell. Die OAK bauten ihr Liniennetz mit Erfolg aus. In den folgenden Jahren verdoppelte sich die Anzahl der Fahrgäste. Ausgehend von einer einzigen Linie hat sich bis heute ein ausgeklügeltes, ineinander verflochtenes Netz von neuen Linien mit über 170 Haltestellen entwickelt. Im Januar 1995 erfolgte der Bezug des neuen Betriebsgebäudes an der Buchsistrasse in Wangen an der Aare. Beim modernen, zweckmässigen Bau des Architektenteams Jörg und Sturm, Langnau i.E., sind Verwaltung, Werkstatt und Einstellhalle zusammen unter einem Dach. Im Gebäude und auf dem umgebenden Platz fand im September 2005 bereits zum zweiten mal die GEWA, die Gewerbeausstellung Wangen, statt.
Ein weiterer grosser Schritt im Jahre 1999 war die Fusion mit den bisherigen OSSTUnternehmen (Oberaargau-Solothurn-Seeland-Transport) zur Aare Seeland mobil AG. Nebst dem öffentlichen Regionalverkehr gewinnen bei der Aare Seeland mobil Fernfahrten zunehmend an Bedeutung. Die Reisecars fahren an Konzerte, nach Verona zum Opernbesuch, nach Rügen, nach Spanien, ja selbst via Baltikum bis Moskau. Immer mehr Vereine und Gemeinden nutzen die Möglichkeit, Reisen durch die Aare Seeland mobil organisieren und ausführen zu lassen. Zudem kann ein VIP-Starliner Car für besondere Anlässe gemietet werden.
Diversifikation war ein Thema und ist es noch heute. So verkaufte man bereits 1923 ab eigener Tankstelle in Herzogenbuchsee Benzin „en gros und mi gros“.
Heute bilden der Verkauf von Diesel und die Waschanlage in Wangen ein wichtiges Nebengeschäft. Durch die Nähe zur Autobahn nutzen Fahrzeughalter aus der ganzen Schweiz die Gelegenheit zum Tanken rund um die Uhr. Die bediente Waschanlage wird ebenfalls rege benutzt. Diese Einnahmen tragen wesentlich zu einem höheren Deckungsgrad bei.
Sicherheit auf allen Ebenen ist eines der Hauptanliegen des Unternehmens. So war in den letzten Wochen der Leiter Betriebsabteilung Bus mit einem Mitarbeiter in Schulen unterwegs, um die Kinder über richtiges Verhalten im und um den Linienbus zu instruieren. Ohne Drohfinger, aber mit eindrücklichen Demonstrationen wurde den Kindern gezeigt, wie viel sie selber zur Sicherheit beitragen können.
Ganz anders, nämlich mit einer Warnung und der Androhung einer Anzeige, wollte man schon 1919 gewissen Unsitten entgegenwirken. Besonders gefährlich war offenbar der Versuch, sich bei durchfahrenden Automobilen hinten an den Postkasten anzuhängen…
Die jüngere Geschichte der Aare Seeland mobil AG ist geprägt von Veränderungen und Vorwärtsbewegungen und das nicht nur auf Rädern. Einige markante Daten werden hier genannt:
| 1998 | Übernahme des Bahnbetriebs Herzogenbuchsee-Wynigen (Burgdorf), im Auftrag der Schweizerischen Bundesbahnen SBB |
| 2000 | Zertifizierung des ganzen Betriebs nach Norm ISO 9001: 1994 |
| 2001 | Definitive Einführung der Nachtbuslinie Bern-Langenthal (Moonliner) |
| 2003 | Mitarbeit am Umwelttechnologie-Projekt des BUWAL |
| 2004 | Linienerweiterung Altbüron-Grossdietwil, LU |
| 2005 | Zertifizierung des ganzen Betriebs nach Norm ISO 9001: 2000 |
| Im gleichen Jahr: Auszeichnung mit dem Qualitätsgütesiegel, Stufe III |
Zum Busbetrieb der Aare Seeland mobil AG in Wangen a.A. gehören heute 56 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 42 Personen im Fahrdienst. Pro Jahr legen die Linienbusse rund 1,3 Mio. km zurück und befördern rund eine Million Fahrgäste.

Quellen:
- Jubiläumsschrift von 1991 „Räder verbinden den Oberaargau“
- Broschüre der asm „Ein Unternehmen bewegt“
- Angaben des derzeitigen Geschäftsführers der asm Wangen, Kurt Rüttimann
